Mulsum Challenge

Last updated: 17.05.2003
Mulsum Challenge oder: Auch gewinnen ist relativ!

Der schönste Deichlauf der Welt ist der in Wremen, der schönste Speckenlauf findet in Mulsum statt. Die Aktiven wissen das! Und darum sind die Athleten auch sehr darum bemüht, bei diesen anspruchsvollen Läufen fast alles zugeben um hier ihre individuellen sporlichen Ziele zu erreichen.

Vielleicht konnte man es in der Ausgabe Nr. 13 der Wremer TUS-Zeitung schon zwischen den Zeilen lesen: Mein Top-Ereignis in der Laufsaison 1999 sollte der Speckenlauf, die "Hölle von Mulsum" werden, so genannt, weil dieser Lauf unter 32° Celsius im Schatten gar nicht erst gestartet wird, glaube ich.

Doch ging es mir bei dem Lauf nicht um Zeit und Plazierung nein weit gefehlt, es ging mir um eine Flasche Schaumwein edler Herkunft, um die ich leichtsinniger Weise oder war es zur Motivation, während einer feucht fröhlichen Silberhochzeitsfeier mit meinem Mulsumer Erzrivalen und ewigen Gewinner unserer Duelle Florian Richter genannt Flori gewettet habe.

Es war ein Kreuz mit diesem Mann, jedesmal dachte ich ich wäre besser vorbereitet, kam vom Start auch besser weg als er, baute meinen Vorsprung auf nie und nimmer nicht mehr einzuholende Distanzen aus und hatte jeweils schon das sichere Ziel vor Augen. Aber alljährlich zog Flori fröhlich im Schlussdrittel an mir vorbei, dass ich dachte ich stehe.

Dieser Trend musste 1999 gebrochen werden. Als ich am Tage der Veranstaltung in Mulsum ankam begrüßte mich der alte Laufhase und murmelte etwas von schlechter Form, Achillessehnenproblemen oder so ähnlich. Tiefstapler dich kenne ich, waren meine Gedanken, und bemühte mein angeschlagenes Knie als ergänzendes Thema für einen kurzen lauftechnischen Austausch. Zwei Gehbehinderte am Start eines 10.000 Meter-Laufes - wie lustig!

Der Startschuss fiel, trotz 28° (?), und ich lief - das dicke Ende im Sinn -etwas verhaltener an. Mein Kontrahent blieb hinter mir. Aha kenne ich, gleiche Taktik wie in den Vorjahren. Erst die Konkurrenz kräfteraubend das Tempo machen lassen und dann kurz vor Schluss alle in die Grütze laufen. Natürlich waren die richtig schnellen Leute schon lange auf und davon, die sind ja auch zwanzig Minuten vor mir unter der Dusche. Aber um die geht´s ja auch nicht. Wichtig: Flori war vor mir nicht dabei. Die Hälfte der Strecke war inzwischen geschafft und jetzt wurde es hinten am Kanal richtig stressig. Ich lief ziemlich allein. Die vor mir waren weg und die Entfernung zu ihnen wurde, wenn sie überhaupt etwas wurde dann größer. Hinter mir war´s auch ruhig, keine Gefahr also - oder? Oder hörte ich da ein leises Tappsen, so wie Schritte beim Laufen die näher kommen? Nein doch wohl nicht. Umgucken? Seid ihr verrückt. Umgucken ist ein sicheres Zeichen von Schwäche, wer sich umguckt ist schon überrundet! Genau! Da reissen wir uns doch lieber noch einmal zusammen und legen einen Zahn zu. Richtig gemacht, ich höre auch schon gar keine Schritte mehr. Höre ich vielleicht nichts mehr, weil ich selber keuche und das Blut in meinen Ohren pulsiert. Schitt da ist´s passiert! Ohne Vorankündigung und völlig lautlos federt er an mir vorbei und in welchem Tempo - grandios! Solange ich kann hänge ich mich an ihm dran. Ich kann nicht lange. Noch grandioser: Er ist nicht Flori! Wasser - nein danke, jetzt nicht, jetzt wird Tempo gebolzt bis ins Ziel. Alte Renner-Regel: Schrittlänge erhöhen und Frequenz verdoppeln, das bringt ordentlich was, wenn du`s noch schafftst. Und noch `ne Regel: Beide Beine machen Geschwindigkeit und greifen Raum - nicht nur eines! Vielleicht schaffe ich dieses Tempo bis zum Ziel, wäre nicht schlecht. Vielleicht breche ich aber auch auf dem letzten Kilometer irgendwo ein. Zugegeben ich war schon mal schneller, aber so anstrengend war´s noch nie. Kein Wunder: Immer noch Ungewissheit, immer noch Flori im Nacken, was macht der Kerl da hinter mir, wann setzt er endlich zum Sprung an und schafft klare Verhältnisse. Ich renne und renne, kein Flori kommt. WO BLEIBT FLORI ???

Erst später im Ziel nach der Gurke mit Tee erfahre ich von Friedrich Fiehn (Bübi), dass mein Sparrings-Partner bei Kilometer fünf ausgestiegen ist.

Ja, das sieht ihm ähnlich, er geht schön gemütlich spazieren und ich renne mir die Lunge aus dem Hals. Ich habe das komische Gefühl der Mann hat in diesem Jahr schon wieder gewonnen!