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Last updated: 17.05.2003
Tips & Tricks
für Anfänger
Damals in der Frühjahrsausgabe
'95 habe ich die Prognose gewagt, daß Inlineskaten mehr
als eine kurzfristige Modeerscheinung sein wird. Wie gut
diese Sportart angenommen wird, zeigt nicht zuletzt die
unerwartet hohe Beteiligung beim kürzlich veranstalteten
Bremerhavener Nachtlauf! Ich möchte hier das Thema noch
einmal aufgreifen und allen Neulingen, die es in der
kommenden Saison erstmals versuchen wollen, ein paar
-hoffentlich- wertvolle Tips geben.
Dem Anfänger, der zum erstenmal seine K2
zuschnürt, um erste Rollversuche zu unternehmen, empfehle ich
die Einhaltung einer bestimmten Lernfolge. Alles subjektiv
und unverbindlich, allerdings würde ich es genau so machen,
stünde ich nochmals am Anfang.
- Suche eine für den Straßenverkehr
gesperrte und mit einem glatten Belag versehene
Straße zum Üben, möglichst mit Grünstreifen und ohne Zaun
(Auslaufzone).
- Zu Beginn der ersten Rollversuche ist
die volle Schutzausrüstung ein absolutes Muß (Knie-,
Ellenbogen- und Handschutz, wenn vorhanden
Fahrradhelm)!
- Die ersten Übungen sollen die
Standsicherheit verbessern. Die Körperhaltung sollte
in Knie und Hüfte einen leichten Knick aufweisen und
der Oberkörper leicht nach vorne gebeugt sein. Diese
Haltung, konsequent eingehalten, erfordert bereits Kraft in
Oberschenkel und Po. Langsam rollen, auf sauberen
Lastwechsel achten. Versuchen, eine Gleitphase auf
dem einen Bein sauber zu Ende zu bringen (Balance),
bevor auf das andere gewechselt wird. Solange sich nicht
ein sicheres Gefühl einstellt, KEINE Bremsversuche
unternehmen! Man kann am Anfang im Gefahrenfall immer auf
den grünen Seitenstreifen ausweichen (auslaufen), um so zum
Stehen zu kommen.
- Erst wenn man sicher auf den Rollen
steht, ist die Zeit für Bremsübungen gekommen. Da es
mehrere Bremstechniken gibt, sollte mit der üblichsten
begonnen werden. An einem der beiden Schuhe ist hinten ein
"Bremsklotz" aus Gummi angebracht. Bei den
Gleitübungen hat man sicher festgestellt, daß man ein
"schwaches" und ein "starkes" Bein hat
(unterschiedlich lange Gleitphasen). Es gilt also
herauszufinden, welches von beiden das "schwache"
ist (das mit der kürzeren Strecke). An diesem Schuh sollte
die Bremse, notfalls durch ummontieren, befestigt sein. Der
Grund für dieses Vorgehen: Beim Bremsen wird das
"starke" Standbein einseitig voll belastet und im
Knie stark gebeugt, was einen sicheren Stand auf einem Bein
und Kraft voraussetzt. Man rollt also mit stark
abgewinkeltem Knie und nach vorne gebeugten Oberkörper auf
dem einen Bein, schiebt dann das "Bremsbein" nach
vorne und setzt den Bremsklotz erst vorsichtig, dann etwas
fester auf. Leicht gesagt, schwer getan. Hier hilft nur
Üben. Je kräftiger die Oberschenkelmuskulatur des
"Standbeins" ausgebildet ist, um so leichter
fällt das Erlernen des Bremsens!
- Wer seinen Rhythmus gefunden und dank
ausgefeilter Bremstechnik die Angst vor dem
"Wie-komme-ich-zum-Stehen" verloren hat, der hat
das Gröbste hinter sich und kann sich ganz der
"Lust" hingeben, die fortan jeden Ausflug
begleiten wird.
- Im Zuge dieser Ausflüge sollte
kontinuierlich an der Verbesserung des Laufstils
gearbeitet werden. Gezieltes Gleiten mit Schubrichtung
nach vorne (nicht schräg zur Seite zum nächsten
Schritt) mit einer möglichst langen Gleitphase auf
einem Bein sollte bewußt trainiert werden. Wer genau darauf
achtet, dem werden auch hier schnell die Unterschiede mit
dem o.a. "starken" und "schwachen" Bein
auffallen. Letzteres erzielt eine geringere
Rollweite, bedingt durch zu frühes "Abkippen"
nach innen. Bewußt darauf achten, daß beide Rollweiten
gleich lang werden, nur dann wird sich ein
gleichmäßiger Laufrhythmus einstellen. Die Arme
können, je nach angestrebtem Tempo, entweder gar nicht,
halb oder voll zur Verbesserung des Vortriebs eingesetzt
werden. Probieren, womit man am besten zurecht kommt. Bei
einem geringen Marschtempo können beide Arme auf den Rücken
gelegt werden, für eine forschere Gangart sorgt ein
schwingender Arm und beidarmiger Einsatz sorgt schließlich
für Höchstgeschwindigkeit. Profis legen bereits mit
angelegten Armen ein gutes Tempo vor. Der Gebrauch beider
Arme ist Anfängern nicht zum Erreichen der
Höchstgeschwindigkeit, sondern zum Erhalt des
Gleichgewichts dringend anzuraten. Bei Geübten verschwindet
nach einiger Zeit die leichte Unsicherheit, die sich beim
Laufen mit auf den Rücken gelegten Armen
einstellt.
- Wer es nicht unbedingt will,
sollte sich das Einüben von "Kunststücken"
verkneifen, weil damit die Fahrsicherheit nicht mehr so
verbessert wird, daß es das erhöhte Risiko wert wäre! Das
Ziel aller Übungen sollte das sichere Absolvieren einer
längeren Tour sein und einen unfallfreien
Skater-Alltag gewährleisten. Womit wir bei einem anderen
Thema wären.
Sicherheitsaspekte
In diversen Kursen wird unter anderem
"richtiges" Fallen gelehrt. Dagegen ist nichts
einzuwenden, solange damit nicht falsche Hoffnungen geweckt
werden. Die ein oder andere unangenehme Schürfwunde kann mit
diesem Training und guter Schutzbekleidung sicher vermieden
werden. Die Praxis zeigt allerdings, daß die meisten Stürze
nicht "vorschriftsmäßig" nach vorne auf die
geschützten Knie und Hände verlaufen, sondern nach hinten,
mit Landung auf Steiß, Rücken oder Hüfte! Und da sitzt leider
KEIN Protektor. Es müßte so etwas wie eine verstärkte
Torwarthose für Skater geben. Kein noch so guter
Handgelenkschützer verhindert z.B. das Ausrenken des Daumens.
Von der Schutzausrüstung halte ich persönlich den Schutzhelm
noch am sinnvollsten, weil er geeignet ist, im Falle eines
schweren Sturzes Kopfverletzungen zu verhindern. Der Rest
gaukelt Sicherheit vor, die eine Schutzausrüstung nicht geben
kann. Um Mißverständnissen vorzubeugen: Ich bin nicht gegen
das Tragen einer Schutzausrüstung! Es soll nur keiner
glauben, durch das Anlegen einer solchen unverletzbar zu
sein. Was lernen wir daraus?
Der Skater schützt sich
am besten dadurch, indem er einen Sturz
vermeidet!
Wann droht ein
Sturz?
Salopp ausgedrückt immer dann, wenn der
Körperschwerpunkt sich nicht mehr exakt über den Rollen
befindet und dieser Zustand nicht wiedererlangt werden kann.
In vielen Fällen ist "hängenbleiben" mit einem
Schuh am Straßenrand während des Beschleunigungsschritts
Grund für eine unsanfte Landung auf der Piste. Da in diesem
Moment der nicht belastete Schuh abrupt gebremst und
ruckartig nach hinten gerissen wird, entsteht eine starke
Drehbewegung um die Längsachse, die selbst ein Ballettänzer
nicht mehr unter Kontrolle bringen könnte. Ein Sturz auf den
Rücken oder die Hüfte ist die unangenehme Folge. Aber der
größte Feind aller Skater sind kleine Steine, Zweige,
nasse Blätter, Feuchtstellen oder grobe Verunreinigungen
auf der Straße, und wehe dem Träumer, der nicht unablässig
den Weg vor sich nach diesen heimtückischen Hindernissen
absucht! All das ist bestens geeignet, auch den geübten
Skater zu Fall zu bringen!
Hier noch einmal alle
Sicherheitstips in Kurzform
- Vor dem Start die Rollen und Achsen auf
festen Sitz überprüfen!
- Nicht übermüdet oder sonstwie
"schlecht drauf" auf Tour gehen!
- Bei Übermüdung während einer Tour
unbedingt eine Pause einlegen! Besser, die Streckenlänge so
wählen, daß Übermüdung ausgeschlossen werden
kann!
- Das eigene Leistungsvermögen nicht
überschätzen. Überforderung führt zu
Unkonzentriertheit!
- Last- und Schrittwechsel präzise
ausführen!
- Auf richtige Körperhaltung achten
(leichter Knick in Knie- und Hüfte)!
- Nie im Dunkeln skaten!
- Während der Fahrt die Fahrbahn ständig
nach Hindernissen absuchen!
- Während der Fahrt nie
träumen!
- Während der Fahrt den Kopf nicht nach
hinten drehen. Die damit verbundene Störung des
Gleichgewichts bewirkt eine ungewollte Änderung der
Fahrtrichtung!
- Stets nach "Fluchtwegen"
Ausschau halten!
- Aus Freude an einer schönen Tour nicht
übermütig werden!
-pv
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