|
Last
updated: 17.05.2003
Wremer
Deichlauf, die Achte.
Ja, er ist nicht mehr wegzudenken aus der
dörflichen Veranstaltungspalette, unser Wremer
Deichlauf. Das wurde wieder einmal überdeutlich, als bei
kühlem Wind und strahlendem Sonnenschein genau 199 Läufer,
darunter 4 Brisk-Walker, und 5 Wanderer auf die
Strecke gingen. Noch nie gab es hinterher so viel Lob und
spontane Äußerungen seitens der Aktiven wie diesmal. Und die
geringe Anzahl der übrig gebliebenen, nicht verteilten
Urkunden läßt drauf schließen, daß auch das Rahmenprogramm
bis zur und nach der Siegerehrung gut angekommen ist. Das tut
gut, ist Aufmunterung und Ansporn für die vielen Helfer, wenn
sich trotz großer "Konkurenz", wie Wilstedt bei
Nacht am Vorabend, Werdersee-Lauf und
Hannover-Marathon am Tag drauf, Zweihundert für Wremen
entscheiden. Aber das wollte ich gar nicht
erzählen.
Stillstand ist Rückschritt. Diese Devise
vor Augen, arbeiten auch wir kontinuierlich an der
Verbesserung des Deichlaufes, ändern hier und dort, um im
nächsten Jahr eine noch attraktivere Veranstaltung bieten zu
können. Und so kam es im vergangenen Jahr endlich zu der lang
ersehnten Optimierung der 15-Kilometer-Strecke. Seit Jahren
immer wieder andiskutiert und verworfen, weil ein Teil der
neuen Strecke ja durch das nördliche Ausland
führen würden, und die Organisatoren die zusätzlichen
Probleme, wie verschlossene Hecks, Vieh auf der Weide und
hohes Gras für nicht bewältigbar einstuften. Diese Dinge
müssen wir wohl total vergessen haben, als wir uns
entschlossen, es doch wenigstens zu probieren. Zu groß war
die Verlockung, den Sportlern endlich die gesamte
Wasserkante butendieks, von Solthörn bis Rintzeln,
bieten zu können. Ohne Spitzkehren und Betonwege. Eine erste
Anfrage bei Carl Wittig, ob er was dagegen hätte, wenn am
Deichfuß außendeichs von Grohden nach Rintzeln in der
Fahrspur im Gras gelaufen würde, verlief ermutigend: «....
ja, laufen könnt ihr da, kein Problem!». Die Feinheit
dieser Aussage gewann erst viel später an Bedeutung. Kurz
darauf war die neue Strecke auch schon vermessen, die
Genehmigung eingereicht und die Ausschreibung
druckreif.
Wochen später treffe ich Arno beim Laufen.
«Du», sagt er, «ich war eben auf der neuen Strecke - da sind
ja Kühe und Schafe drauf!». «Ja, und?» frage ich zurück, «im
Mai sind immer Tiere auf der Weide!». «Abgesperrt ist auch!
Wenn jetzt ein Läufer Angst bekommt oder es passiert was!?».
«Arno, wir müssen da durch, es gibt kein Zurück! Und so
schlimm wird's schon nicht sein, sind ja keine
Kampfstiere. An die Hecks kommen Posten». Bisher habe ich
nicht mal im Traum daran gedacht, daß jemand eine Rinder-
& Schafephobie mit sich herumschleppen könnte. Aber sowas
soll's ja geben. Kurz darauf neue Schwierigkeiten: Das
Wachstum hält sich mal wieder nicht an die Jahreszeit,
sondern hängt gut drei Wochen zurück. Normalerweise ist der
Deich Ende Mai durchgehend abgemäht, diesmal nicht. Bei einem
Besichtigungslauf wird schnell deutlich, daß eine längere
Regenperiode vor dem Deichlauf in Verbindung mit Gras für
nasse Füße bei den Läufern sorgen würde. Was tun!? Kommt
Zeit, kommt Rat. Muß ja nicht gleich ein Komplettschnitt
sein, eine treckerbreite Spur würde reichen, um den Aktiven
optisch den Weg zu weisen und bei Regenwetter für halbwegs
trockene Füße sorgen. Am Sonntag vor dem Lauf dann die
Generalprobe. Der Sonntag-Morgen-Lauftreff geht geschlossen
auf die Volkslaufstrecke. Dabei werden, psychologisch
geschickt, die "Restarbeiten" zwangsvergeben - z.B.
die Übernahme der Verpflegungsstation auf der Hälfte der
Strecke. Oder: Wer steht wann an welchem Heck und ist
verantwortlich, daß es geöffnet ist und daß trotzdem kein
Rind entwischt. Selbst an die Schiete-Räumung vor den
Hecks wird gedacht!
Pfingstmontag gehen Hühnchen und ich
"Strecke bauen", wir stellen Hinweispfeile auf und
pinseln die Kilometerangaben - kurzum, wir stellen sicher,
daß sich keiner verlaufen kann. Höhe Harmsbüttel sehe ich
meinen Traum von der frisch gemähten Spur am Deichfuß fast
verwirklicht: Ein riesiger Trecker zuckelt den Wirtschaftsweg
entlang, rechts daneben sehe ich in Zeitlupe Schafgarbe
sinken - ein mähender Landwirt. «Du, Gerhard, den bräuchten
wir jetzt in Rintzeln!» murmle ich. «Den kenn ich, das ist
Detlef - ich frag ihn mal!» Gesagt, getan. «Moin auch! Ich
dachte schon, ich müßte mitlaufen ...» tönt es erleichtert
auf unsere Frage vom Trecker herunter, «... klar, ich mähe
euch auch drei Spuren - aaaber das müßt ihr erst mit Carl
Wittig abklären. Wenn der sein ok gibt ....». Kurze Zeit
später, bei Carl vor der Türe bringen wir unseren Wunsch
erneut vor. «Jaaa, der Deichlauf» - Pause. «Laufen könnt ihr
da, hab ich ja gesagt, aber wenn ihr butendieks nicht lopen
könnt, müßt ihr halt binnendieks bleiben. Das müßt ihr
verstehen!». Verstanden wir auch und zogen ab. Abends ruft
mich Hühnchen an: «Weißt du schon das Neueste? Detlef hat
sich das angesehen und festgestellt, daß die fraglichen
Stücke überwiegend ihm selbst und einem Freund gehören, mähen
wäre überhaupt kein Problem!» Von Arno höre ich, daß er den
Generalschlüssel für alle(!) Hecks bekommen wird und wir uns
über zusätzlichen Parkraum am Samstag nicht mehr sorgen müßen
(wie es dazu kam war wieder zum schmunzeln) - so lösen sich
allmählich die Probleme der neuen Streckenführung in Nichts
auf. Na, wer sagts denn. Dann fehlt nur noch ein Azorenhoch
am Samstag. Hochwasser und eine kühle Brise aus Nord haben
wir sowieso bestellt.
Die Zeit verfliegt. Freitagabend nehme ich
mir die Zeit und laufe ein letztesmal alleine die Strecke ab.
Die Ruhe vor dem Sturm. Eigentlich wollte ich zur
Jux-Olympiade auf den Sportplatz. Streßabbau durch Laufen war
mir diesmal wichtiger. Kaum bin ich über den Deich, sehe ich,
wie sich eine frisch gemähte Fahrspur hell aus dem
dunkelgrünen Grasland abhebt - es hat also geklappt! Selten
habe ich die Wasserkante so still und friedlich erlebt, wie
an diesem frühen Abend. Wenn's morgen nur annähernd so
schön ist ...
An dieser Stelle nochmals ein dickes Lob
und ein herzliches Dankeschön an die vielen Helfer, die
Freiwillige Feuerwehr Wremen, die Polizeistaffel Dorum, das
DRK, die Frauen, die routiniert mit Getränken und Obst die
Nachsorge übernahmen, das Anmelde- & Zielteam, meinem
"Ansager", die KuchenbäckerInnen, die Sponsoren und
alle, die ihre Zeit geopfert und mitgeholfen haben, dem
Deichlauf eine persönliche Note zu geben.
-pv
|